Pensionen für Führungsschicht

Geld und Politik

(Aussschnitt aus einem Artikel: Nathalie Kolb Beck. Hans Lanz von Liebenfels: Eine Diplomatenkarriere im 15. Jahrhundert. In: Die Habsburger zwischen Aare und Bodensee. Hg. Peter Niederhäuser. Chronos 2010.)

Der vorerst lose Bund der drei Städte- und fünf Länderorte der Eidgenossenschaft, die lange Zeit eine mehr oder weniger selbständige Politik betrieben, besass bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts nur in der Verwaltung der Gemeinen Herrschaften eine Gemeinsamkeit. Die Bewältigung dieser Aufgabe bedeutete für die auf Mehrheitsentscheiden basierende politische Handlungsweise der Tagsatzungen eine grosse Herausforderung. Zunehmend verlangten auch aussenpolitische Vorgänge eine verstärkte Zusammenarbeit der Orte, die aber oft schwierig zu erreichen war und zu langwierigen Verhandlungen, aufgeschobenen Entscheiden und Taktierereien gegenüber den ausländischen Gesandtschaften führte. Die Interessen der wirtschaftlich überlegenen, bevölkerungsreichen Städteorte lagen denen der ärmeren Länderorte oft diametral entgegen. Während die städtischen Führungsgruppen versuchten, mit gezielter Diplomatie ihr Beziehungsnetz zu den auswärtigen Mächten zu verbessern, durchkreuzten die Länderorte mit ihren noch wenig durch Verwaltung und Obrigkeit geprägten Verfassungen und den häufigen, unkontrollierten Kriegszügen oft diese Pläne.
Spätestens mit den Burgunderkriegen rückte zudem ein neues Konfliktfeld vermehrt in den Vordergrund: die Annahme von ausländischen Geldgeschenken durch viele eidgenössische Führungskräfte. Die Oberschichten in den Städten und Ländern strebten vermehrt Karrieren in der Politik, der Verwaltung oder dem Kriegsdienst an. Weitverbreitet war ein Lebensstil, der sich stark an adeligen Vorbildern orientierte. Diese Ziele konnte nur erreichen, wer sein Kontaktnetz über den eigenen Ort hinaus erweiterte und Beziehungen zu anderen Städten, zu den Gesandten der auswärtigen Mächte oder gar zu Fürstenhäusern oder Königen aufbaute. Zu diesen Verbindungen gehörte das Entgegennehmen regelmässiger Geldzahlungen; für diese «Pensionen» oder «Provisionen» wurden politische Gefälligkeiten erwartet. Wie das Söldnerwesen erreichte auch das eng damit verbundene Pensionenwesen zwischen den Burgunderkriegen und der Schlacht bei Marignano ganz neue Dimensionen und destabilisierte die politischen Verhältnisse in der Eidgenossenschaft erheblich. Bereits zur Zeit der Ewigen Richtung Anfang der 1470er-Jahre hatte sich die Tagsatzung mehrmals mit der Frage der Provisionsgelder aus Österreich beschäftigt. Die Dringlichkeit des Anliegens rührte wohl auch daher, dass gerade während der Verhandlungen in Konstanz viele eidgenössische Führungspersonen die Anwesenheit des Herzogs genutzt hatten, um sich durch Gefälligkeiten und den persönlichen Kontakt zum Herrscher eine Vertrauensstellung als Pensionär zu verschaffen. Man kam damals überein, dass alle eidgenössischen Verbündeten in Zukunft bei der Erneuerung der Bünde den Verzicht auf Geldgeschenke aller Art beschwören sollten. Die Dichte der in den folgenden Jahren beschlossenen Bestimmungen kann nur das Indiz dafür sein, wie verbreitet die Pensionen in den Führungsgruppen der Orte bereits waren.